DFAB – Gramazio & Kohler, Architektur und Digitale Fabrikation (ETHZ)
Der Fachbereich Gramazio & Kohler für Architektur und Digitale Fabrikation des Departments Architektur der ETH Zürich wurde im Oktober 2005 gegründet. Er erforscht das Konzept der «digitalen Materialität», die Querverbindungen zwischen Daten und Material und die sich hieraus ergebenden Folgen für das Architekturdesign. Die Möglichkeit, auf dem Computer entworfene Baubestandteile direkt und maschinell durch digitale Herstellungstechniken zu produzieren, erhöht nicht nur das Spektrum möglicher Bauteile, sondern verschafft auch – indem der Designprozess mit der Logik des Materials und des Konstruktionssystems imprägniert wird – einer einzigartigen architektonischen Ausdrucksform und einer neuen Ästhetik Geltung.
Um diese neuen Produktionsbedingungen zu untersuchen, installierten Gramazio & Kohler eine flexible Baueinrichtung auf einem Industrieroboter, der direkt durch Designdaten gesteuert wird und fähig ist, Bauteile in Originalgrösse herzustellen. Da der Roboter eine unspezifische Maschine ist, kann er ausserdem je nach den Eigenheiten der zu erledigenden Aufgabe mit verschiedenen Werkzeugen arbeiten. Diese Unbestimmtheit erlaubt, neuartige Bautechniken einzuführen und herkömmliche zu überdenken.
Zu den besonderen Interessenschwerpunkten von Gramazio & Kohler gehört die Erforschung additiver Herstellungstechniken, die zum Bau nicht standardisierter architektonischer Komponenten dienen. Additive Produktion kann einfach als dreidimensionaler Druckprozess beschrieben werden. Durch Ablagerung von Material an exakt der gewünschten Stelle können der Struktur funktionale und ästhetische Qualitäten verliehen werden. Diese Möglichkeit, Architektur bis auf die Ebene des Materials zu «bilden», zu informieren, erweitert den Eingriffsbereich des Architekten im Produktionsprozess und so seine schöpferische Freiheit. Ziel ist, Kriterien für neue strukturelle und konstruktive Systeme zu entwickeln, die auf der digitalen Logik aufbauen und auf das architektonische Entwerfen und Herstellen angewandt werden können.
FABIO GRAMAZIO erwarb sein Architektendiplom 1996 an der ETH Zürich. Von 1996 bis 2000 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter von Professor Gerhard Schmitt an der ETH Zürich. Er ist Mitgründer des preisgekrönten Künstlerkollektivs «etoy», das seit 1994 aktiv ist.
MATTHIAS KOHLER studierte Architektur an der ETH Zürich und erlangte sein Diplom 1996. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter von Professor Marc Angélil (1997–1998) und von Professor Greg Lynn (1999–2000).
Seit 2000 sind Fabio Gramazio und Matthias Kohler Teilhaber des Architektur- und Städtebaubüros Gramazio & Kohler in Zürich. Ihr Werk umfasst das Zentrum für zeitgenössischen Tanz Tanzhaus und die Weihnachtsbeleuchtung für die prestigeträchtige Bahnhofstrasse in Zürich wie auch den Pavillon sWISH* an der Schweizer Landesausstellung «Expo.02». Seit 2005 sind Fabio Gramazio und Matthias Kohler Assistenzprofessoren für Architektur und Digitale Fabrikation am Departement Architektur der ETH Zürich. In Forschung und Lehre widmen sie sich schwergewichtig den architektonischen Designstrategien für die robotisierte Produktion im Originalmassstab. Hochinformatisierte architektonische Elemente werden auf ihr sinnliches, bauliches und wirtschaftliches Potential hin untersucht. Sie entwickeln additive Herstellungsprozesse in einem einzigartigen Versuchsaufbau, der einen 3 Meter langen Roboterarm auf einer 7 Meter langen Bahn einschliesst.
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