MAS UD – Master of Advanced Studies in Urban Design (ETHZ)
Afrika, der angeblich «dunkle Kontinent», und die Muster seiner Urbanisierungsprozesse stehen im Fokus eines Design-Forschungsprojektes unter dem Titel Urban Transformation in Developing Territories, das von dem Lehrstuhl von Marc Angélil an der ETH Zürich koordiniert wird. Anhand einer Fallstudie zu Äthiopien, einem der ärmsten Länder der Welt, und seiner Hauptstadt Addis Ababa wird zukunftsgerichtete Forschung gefördert, die Analyse, Design und Umsetzungsstrategien kombiniert – ein Vorgehen, das sich an praktischen Resultaten orientiert.
Zentral für dieses Unterfangen ist die interdisziplinäre Ausrichtung der Arbeit und die Einbeziehung lokaler Stakeholder. Ein Netzwerk von Mitarbeitern – einschliesslich Studenten, Mitgliedern des akademischen Gemeinschaft, Berufsleuten und stattlichen Ämtern, Partnern aus der Wirtschaft und Vertretern der breiten Öffentlichkeit – diskutiert und verhandelt über allfällige Umwandlungen der gebauten Umwelt. Diese Veränderungen richten sich nach der Vorgabe, Werkzeuge zur Förderung sozial, ökologisch und ökonomisch ausgeglichener Stadtsiedlungen bereitzustellen.
Die Strukturierung des Drei-Jahres-Projektes basiert auf drei Forschungsphasen, die durch jeweils eigene Methoden und Verstehensweisen der Designforschung gekennzeichnet sind. Learning from Addis (2007) baut auf Robert Venturis und Denise Scott Browns Analyse von Las Vegas auf und verwendet Kartierungstechniken als Designinstrumente, um die physischen wie sozialen Räume Addis Ababas neu zu lesen und neu zu schreiben. Addis Through the Looking-Glass (2008) untersucht, wie Lewis Carrolls «Alice im Wunderland», die Möglichkeiten, die Welt aus einem andern Blickwinkel, sozusagen durch Spiegel, zu betrachten, um Designvorschläge als prototypische städtebauliche Strategien in den unterschiedlichen kulturellen Kontexten Äthiopiens und der Schweiz auszuprobieren. Quo Vadis, Addis? (2009) versucht, unter Anspielung auf Henryk Sienkiewicz’ historischen Roman, Designprojekte hervorzubringen, die sich zur Anwendung auf der lokalen Ebene eignen – und wirkt so der vorherrschenden Tendenz entgegen, Äthiopien in das globale ökonomische Wettrennen einzubinden.
MARC ANGELIL ist Professor am Departement Architektur der ETH Zürich. Seine Forschungstätigkeit am Institut für Städtebau, Teil des Kompetenzzentrums Netzwerk Stadt und Landschaft (NSL), greift aktuelle Entwicklungen an der Peripherie grosser Metropolitanregionen auf.. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter Inchoate: An Experiment in Architectural Education, über Lehrmethoden, und Indizien – Zur politischen Ökonomie urbaner Territorien. Sein Architektendiplom erwarb er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule, wo er auch promovierte. Später lehrte er an der Graduate School of Design der Universität Harvard und anschliessend an der University of Southern California in Los Angeles. Zusammen mit Sarah Graham, Reto Pfenninger, Manuel Scholl und Hanspeter Oester ist Angélil Partner von agps.architecture, eine Architekturgenossenschaft mit Büros in Los Angeles und Zürich. Ihre gebauten Projekte umfassen den Terminal Midfield am Flughafen Zürich, das Stadt- und Nahverkehrszentrum Esslingen sowie den Umbau einer Fabrik für die Nutzung als Wohn- und Geschäftsräume. Zu den aktuellen Projekten gehören das Hauptquartier der World Conservation Union (IUCN) in Gland-Genf, das Children’s Museum of Los Angeles (CMLA), ein Infrastrukturprojekt für eine Luftseilbahn in Portland, Oregon, die Zurich International School und Sporteinrichtungen für Adidas in Herzogenaurach, Deutschland. Ihr Schaffen war Gegenstand von Ausstellungen und Publikationen in Argentinien, Australien, China, England, Äthiopien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Korea, Mexiko, den Vereinigten Staaten und der Schweiz. Marc Angélil ist Mitglied des Ausschusses der Holcim Foundation for Sustainable Construction.
www.angelil.arch.ethz.ch/teaching/index.html